{"id":568,"date":"2015-11-08T12:44:35","date_gmt":"2015-11-08T12:44:35","guid":{"rendered":"http:\/\/stadtmuseum-kl.de\/?page_id=568"},"modified":"2015-11-15T14:47:32","modified_gmt":"2015-11-15T14:47:32","slug":"eine-neue-heimat-fuer-das-theodor-zink-museum","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/stadtmuseum-kl.de\/?page_id=568","title":{"rendered":"Eine neue Heimat f\u00fcr das Theodor-Zink-Museum"},"content":{"rendered":"<p>Das Haus &#8222;Zum Rheinkreis&#8220; profitierte von der Sanierung der Altstadt (Von Gerhard Westenburger)<\/p>\n<p>Das &#8222;alte&#8220; Theodor-Zink-Museum war von 1936 bis in die ersten Kriegsjahre in dem alten Bau des Spittelm\u00fcllers auf der Nordseite des Stiftsplatzes untergebracht, und seit 30 Jahren, seit 1978, ist es im ehemaligen &#8222;Haus Rheinkreis&#8220; in der Steinstra\u00dfe eingerichtet. Dieser 30. Geburtstag soll gefeiert werden. Das neue Theodor-Zink-Museum wurde am 18. Februar 1978 in der ehemaligen Fuhrmannswirtschaft, dem vormals etwas feineren &#8222;Haus Rheinkreis&#8220; in der Steinstra\u00dfe 48 er\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>Als die Wiederaufbauphase und die ersten Stadterweiterungen nach dem Krieg abgeschlossen waren, erinnerte sich die Stadt wieder ihres Theodor-Zink-Museums, und man begann nach R\u00e4umen zu suchen, um die ausgelagerten Best\u00e4nde des alten Museums vom Stiftsplatz der \u00d6ffentlichkeit wieder zug\u00e4nglich zu machen. Ein engagierter F\u00f6rderkreis nahm sich des Projekts an. Der Neubau eines Museums kam aus finanziellen Gr\u00fcnden nicht in Frage, der alte Bau, die Spittelm\u00fchle am Stiftsplatz, war schon im April 1951 abgerissen worden. Auch der Abriss des Pfaffbads im Juni 1975, das sich nach entsprechendem Umbau durchaus f\u00fcr die Einrichtung eines Museums geeignet h\u00e4tte, wurde leider zu sp\u00e4t bedauert. Ein Teil des Karlsberg-Geb\u00e4udes auf der S\u00fcdseite des Stiftsplatzes w\u00e4re f\u00fcr ein Theodor-Zink-Museum in Frage gekommen. Aber beim Abriss im Jahr 1960 standen andere Interessen im Vordergrund.<\/p>\n<p>Schon vor der Aufteilung des Sanierungsgebietes in Teilbebauungspl\u00e4ne hatte die Stadt 1975 das Haus &#8222;Zum Rheinkreis&#8220; gekauft. Man ahnte eine M\u00f6glichkeit. Der F\u00f6rderkreis engagierte sich und fixierte sich mit Erfolg auf den &#8222;Rheinkreis&#8220; in der Steinstra\u00dfe. Von der Maxime der Objektsanierung profitierte dieser heruntergekommene Bau in der Steinstra\u00dfe 48; er wurde saniert, restauriert und modernisiert. Die Arbeiten waren im Herbst 1977 abgeschlossen, das Theodor-Zink-Museum hatte eine neue Heimat gefunden. <\/p>\n<p>Der alte Restaurationsbetrieb &#8222;Haus Rheinkreis&#8220; war urspr\u00fcnglich ein empfehlenswertes Haus, eine Brauereigastst\u00e4tte. Die Wirtschaft wurde 1817 von Johann Gelbert er\u00f6ffnet. Sp\u00e4ter geriet sie jedoch &#8222;wegen der zunehmenden Lautst\u00e4rke&#8220; etwas in Verruf. Sie wurde zur &#8222;Fuhrmannswirtschaft&#8220;. Die Bauern aus den D\u00f6rfern im Osten Kaiserslauterns brachten ihre Produkte mit Fuhrwerken auf den Markt in die Stadt, Obst, Gem\u00fcse, Kartoffeln und in der k\u00e4lteren Jahreszeit geschlachtete H\u00fchner, G\u00e4nse und Enten. Wenn sie die Steinstra\u00dfe erreicht hatten, war das &#8222;Haus Rheinkreis&#8220; die erste Station, an der man im Sommer ein k\u00fchles Bier und im Winter einen Schnaps bekam. Dann aber rasch auf den Stiftsplatz zum Wochenmarkt. Vor der Heimfahrt gab es noch eine Einkehr ganz oben in der Steinstra\u00dfe, im &#8222;Rheinkreis&#8220;. Und wenn man etwas Fantasie hat, h\u00f6rt man beim besinnlichen Museumsbesuch auf dem Pflaster im Innenhof die eisernen Hufe der geduldig wartenden Pferde und in der Fuhrmannswirtschaft die Bauern, wie sie lauthals von ihren guten Gesch\u00e4ften prahlen. Die Gastwirtschaft war ein Kommunikationszentrum. Auch Lauterer Fuhrleute mussten sie gesch\u00e4tzt haben. Anfang des 19. Jahrhunderts gab es in Kaiserslautern mehr als drei Dutzend selbst\u00e4ndige Fuhrleute. Mit dem Eisenbahnanschluss in Kaiserslautern im Jahr 1848 verlor das Haus &#8222;Rheinkreis&#8220; mehr und mehr an Bedeutung. Im Adressbuch von 1876 ist es schon nicht mehr erw\u00e4hnt.<\/p>\n<p>Wenn man r\u00fcckblickend den Baubestand \u00fcberschaut, der f\u00fcr ein &#8222;neues&#8220; Theodor-Zink-Museum damals in Frage gekommen w\u00e4re, f\u00e4llt das Ergebnis sp\u00e4rlich aus. Das alte Haus &#8222;Zum Rheinkreis&#8220;, war bestens geeignet, brachte es doch, wenn man sich eine ordentliche Sanierung vorstellte, eine gute Museumsatmosph\u00e4re mit, und eine sch\u00f6ne Altstadt hat sowieso immer etwas museales, also auch ein bestens geeignetes Umfeld. <\/p>\n<p>Die Geschichte des Umfelds des heutigen Theodor-Zink-Museums machte einen tiefgreifenden Strukturwandel durch. Das Steintor am oberen Ende der Steinstra\u00dfe wurde aus Sicherheitsgr\u00fcnden im Jahr 1620 geschlossen. Die Stra\u00dfe verlor ihre Bedeutung als Durchgangsstra\u00dfe f\u00fcr rund 200 Jahre. Der Durchgangsverkehr benutzte jetzt das Gautor, und die Anwohner gerieten in Streit, wessen Stra\u00dfe nun die Hauptstra\u00dfe sei. Die Steinstra\u00dfe wurde erst 1817 wieder Hauptdurchgangsstra\u00dfe, und eine Gastwirtschaft sollte sich rentieren.<\/p>\n<p>Ein weiterer Schritt des Strukturwandels der Steinstra\u00dfe bahnte sich an, als sich der Stadtrat 1961 zum ersten Mal mit dem Begriff &#8222;Sanierungsgebiet&#8220; konfrontiert sah. Die Vokabel &#8222;Altstadt&#8220; kam erst Anfang der 1970er Jahre hinzu. Es gab eine Zeit, etwa 1945 bis 1961, in der die Stadt glaubte, die Aufgabe der Stadtentwicklung ersch\u00f6pfe sich im Wohnungsbau. Das war ein Irrtum. Wohnungsbau war zwar \u00fcber 20 Jahre ein unerl\u00e4ssliches Gebot, in Lautern wurde jedoch zun\u00e4chst manches \u00fcbersehen, worum man sich in anderen St\u00e4dten parallel zum Wiederaufbau bem\u00fchte: Die Sanierung alten Baubestands hinkte in Kaiserslautern fast 15 Jahre hinterher. Es muss allerdings gesagt werden, dass der Stadtrat bereits 1961 f\u00fcr Teile des sp\u00e4teren &#8222;Sanierungsgebiets Altstadt&#8220; eine Ver\u00e4nderungssperre beschlossen hatte. Dieser Beschluss bewirkte zun\u00e4chst lediglich, dass alles beim Alten blieb. Darin kann man r\u00fcckblickend die Chance f\u00fcr den alten Bau &#8222;Zum Rheinkreis&#8220; erkennen, zu &#8222;\u00fcberleben&#8220; und ihn einer neuen Nutzung zuzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Ein entscheidender Schritt in der Altstadtsanierung war der Beschluss des Bauausschusses vom 8. November 1976, durch den das Sanierungsgebiet in sieben Teilbebauungspl\u00e4ne aufgesplittet wurde. Das erste Altstadtfest, initiiert vom Sanierungsbeirat, fand am 1. Oktober 1977 statt. Hier wurde deutlich, dass es noch vieler Anstrengungen bedurfte, das Stadtviertel rund um die Steinstra\u00dfe in den Stadtkern einzubinden. F\u00fcr die Fu\u00dfg\u00e4ngerstr\u00f6me erwies sich die Ost-Westachse zun\u00e4chst als Barriere. Die Idee eines Fu\u00dfg\u00e4ngertunnels von der Marktstra\u00dfe zur Steinstra\u00dfe aus den Anf\u00e4ngen der 70er Jahre kam wieder auf den Tisch. Dieser Plan wurde jedoch endg\u00fcltig verworfen. <\/p>\n<p>In dem Viertel gab es einige historische Kristallisationspunkte. Um sie herum lie\u00df sich eine Altstadt herrichten. Die engen G\u00e4sschen, die Martinskirche, die B\u00fcrgerh\u00e4user um den St.-Martins-Platz, ein St\u00fcckchen Stadtmauer, das alte Haus &#8222;Zum Rheinkreis&#8220; und der heruntergekommene Wadgasserhof, alle diese aus der Lauterer Vergangenheit eingewanderten Objekte, waren gute Voraussetzungen f\u00fcr die Planer, Altstadtatmosph\u00e4re und Altstadtkulisse zu konstruieren.<\/p>\n<p>Als dominierende Bauma\u00dfnahmen des sanierten Quartiers fallen der Ausbau des Hauses &#8222;Zum Rheinkreis&#8220; als Museum ins Auge, das Dekanats- und Pfarrzentrum St. Martin, das Edith-Stein-Haus, das Jugendzentrum (1981) in der Steinstra\u00dfe 47, die Wohnanlage der Bau AG (1981), der Wadgasserhof und der Kaiserbrunnen (1987). Alle diese &#8222;Magnete&#8220; zogen auch Publikum in das neue Theodor-Zink-Museum.<\/p>\n<p>Von dem Problem der Zug\u00e4nglichkeit, der Akzeptanz eines &#8222;neuen&#8220;, restaurierten Stadtviertels war auch das gerade entstehende neue Theodor-Zink-Museum kaum betroffen. Das Theodor-Zink-Museum kam rasch wieder in das Bewusstsein der Bev\u00f6lkerung und erzielte seine bis heute nicht mehr erreichte j\u00e4hrliche Besucherzahl von fast 40.000 G\u00e4sten.<\/p>\n<p>Das Theodor-Zink-Museum am Stiftsplatz wurde 1936 in der &#8222;Spittelm\u00fchle&#8220; er\u00f6ffnet. Das Haus beherbergte w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs, auch nach der Auslagerung der wertvolleren Best\u00e4nde im Jahr 1941, noch ein paar Kostbarkeiten. Allgemeine Besucherzeiten waren nicht bekannt. Wenn gerade von der Stadt jemand da war und wenn kein Fliegeralarm war, konnte man das Museum besuchen.<\/p>\n<p>Den gegen\u00fcber dem Museum gelegenen Wadgasserhof k\u00f6nnte man, auch in Erinnerung an seine alte Funktion, als Annex des Museums sehen. Auch dieses stadtgeschichtlich bedeutsame Objekt hat von der Sanierung der Altstadt profitiert. Der \u00f6stliche Teil des Geb\u00e4udes ist der \u00e4ltere; er umschlie\u00dft eine Kapelle aus dem 13. Jahrhundert. W\u00e4hrend der Renovierung kam eine Menge bemerkenswerter und schlie\u00dflich auch erhaltenswerter Einzelheiten zu Tage, so beispielsweise eine Stuckdecke aus der Zeit um 1730. Das Landesamt f\u00fcr Denkmalpflege bewertete die Decke, auf der durch vier Puttenpaaren die vier Jahreszeiten dargestellt sind als &#8222;zweifellos eine der bedeutendsten Stuckierungen des Barock&#8220;.<\/p>\n<p>Gerhard Westenburger<br \/>\nehem. Pressereferent der Stadt Kaiserslautern <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Haus &#8222;Zum Rheinkreis&#8220; profitierte von der Sanierung der Altstadt (Von Gerhard Westenburger) Das &#8222;alte&#8220; Theodor-Zink-Museum war von 1936 bis in die ersten Kriegsjahre in dem alten Bau des Spittelm\u00fcllers auf der Nordseite des Stiftsplatzes untergebracht, und seit 30 Jahren, seit 1978, ist es im ehemaligen &#8222;Haus Rheinkreis&#8220; in der\u2026<\/p>\n<p> <a class=\"continue-reading-link\" href=\"https:\/\/stadtmuseum-kl.de\/?page_id=568\"><span>mehr &#8230;<\/span><i class=\"crycon-right-dir\"><\/i><\/a> <\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":35,"menu_order":1,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"templates\/template-onecolumn.php","meta":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/stadtmuseum-kl.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/568"}],"collection":[{"href":"https:\/\/stadtmuseum-kl.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/stadtmuseum-kl.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stadtmuseum-kl.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stadtmuseum-kl.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=568"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/stadtmuseum-kl.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/568\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":576,"href":"https:\/\/stadtmuseum-kl.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/568\/revisions\/576"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stadtmuseum-kl.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/35"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/stadtmuseum-kl.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=568"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}