{"id":572,"date":"2015-11-08T12:45:19","date_gmt":"2015-11-08T12:45:19","guid":{"rendered":"http:\/\/stadtmuseum-kl.de\/?page_id=572"},"modified":"2015-11-15T14:47:57","modified_gmt":"2015-11-15T14:47:57","slug":"gruendung-des-foerderkreises","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/stadtmuseum-kl.de\/?page_id=572","title":{"rendered":"Gr\u00fcndung des F\u00f6rderkreises"},"content":{"rendered":"<p>Wie es zur Gr\u00fcndung des F\u00f6rderkreises Theodor-Zink-Museum kam &#8211; Uta Mayr-Falkenberg erinnert sich<\/p>\n<p>Industrieansiedlung und Altstadtsanierung! Vor allem diese Schlagworte beherrschten in der zweiten H\u00e4lfte der 60er-Jahre die Lokalpolitik Kaiserslauterns. Nicht wenige der Stadtv\u00e4ter waren zudem allen Ernstes der Ansicht, dass man kein Gr\u00fcn in der Stadt brauche, denn man habe ja au\u00dfen herum genug. Kaiserslautern nannte sich stolz &#8222;Stadt der Schulen&#8220;, und richtete seinen Blick nach vorne und auf die Amerikaner, die mit ihren Fahrzeugen und den uniformierten Soldaten das Stadtbild beherrschten, und zu den gr\u00f6\u00dften Arbeitgebern der Stadt und der Region geh\u00f6rten. Kultur wurde klein geschrieben und nur einige Interessierte wussten, dass es neben der nach wie vor existierenden Pfalzgalerie mit dem Gewerbemuseum auch ein Volkskundemuseum gegeben hatte, das den Namen seines Gr\u00fcnders Theodor Zink trug. Dieses Museum war 1941 w\u00e4hrend des 2. Weltkriegs geschlossen worden als die Luftangriffe auf deutsche St\u00e4dte immer heftiger wurden\u2026<\/p>\n<p>Der Kulturreferent der Stadt hie\u00df Dr. Ottheinz M\u00fcnch, ein feiner Herr, der den hemds\u00e4rmeligen Lokalpolitikern nichts entgegen zu setzen hatte. Seine Idee, dem seit 1925 existierenden und 1935 in der Spittelm\u00fchle er\u00f6ffneten Theodor-Zink-Museum, wieder einen Platz in der Stadt zu geben, wurde immer wieder abgeschmettert. F\u00fcr mich, aus Bayern kommend, war dies unverst\u00e4ndlich. Denn in Bayern lebt man mit und aus der Tradition. Das kriegsgebeutelte Kaiserslautern aber hatte seine Spittelm\u00fchle am Stiftsplatz der Ost-West-Achse opfern m\u00fcssen. Das war jene von den Amerikanern mitten durch die Stadt geschlagene Schneise, damit die US-Milit\u00e4rfahrzeuge besser von Ost nach West fahren konnten. Auch wenn heute die stinkenden Ami-Trucks verschwunden sind, geblieben ist die Ost-West-Achse als eine der wichtigsten Verkehrsadern der Stadt.<\/p>\n<p>Dr. M\u00fcnch f\u00fchrte mich seinerzeit zu den k\u00fcmmerlichen Resten der beweglichen Museumsexponate. Man hatte sie in buntem Durcheinander im Alten Stadthaus gelagert und zwar in einem Raum mit einer undichten Lichtkuppel. Da standen oder lagen in Regalen kreuz und quer verstaubte Trachtenpuppen, vorzeitliche Funde, Bierkr\u00fcge\u2026 Besonders die Trachtenpuppen sind mir, ihrer h\u00e4sslichen Gesichter wegen, noch in guter Erinnerung. Aus einer Kommode, die Dr. M\u00fcnch aufzog, quollen Originalmerianstiche. Irgendwo lagen auch alte M\u00fcnzen. Alle gro\u00dfen St\u00fccke, also die Museumsm\u00f6bel, hatte man 1942\/43 nach Schloss Ortenburg bei Passau ausgelagert. Der alte Herr, damals kurz vor der Pensionierung, hatte resigniert: keine Katalogisierung, noch nicht einmal notd\u00fcrftiges Aufr\u00e4umen. Kein Hahn kr\u00e4hte nach dem alten Plunder oder nach dem Alten Stadthaus. Dieses lag ja im Sanierungsgebiet Steinstra\u00dfe. Alle Welt blickte nur ein St\u00fcck weiter nach Westen, dorthin, wo einstmals ein Renaissanceschloss erbaut worden war. Da ragte jetzt neben den Ruinen der alten Barbarossaburg als unpassender Betonspargel Europas h\u00f6chstes Rathaus auf. <\/p>\n<p>Frustriert &#8211; in den 60er-Jahren ein ungebr\u00e4uchliches Wort &#8211; war auch der historische Verein. Dr. Werner Seeling erz\u00e4hlte mir seinerzeit, dass man zwecks Wiedererrichtung des Kaiserslauterer Volkskundemuseums schon viele Vorst\u00f6\u00dfe unternommen hatte. Auch m\u00f6gliche Museumsresidenzen waren vom Verein ins Gespr\u00e4ch gebracht worden. Dazu geh\u00f6rten leerstehende R\u00e4ume in der alten Stadtsparkasse am Stiftsplatz, in die sich heute l\u00e4ngst das Geldinstitut erweitert hat. Es handelt sich hier um das sch\u00f6ne alte Geb\u00e4ude am Stiftsplatz neben dem jetzigen Sparkassenneubau. Die Blicke richteten sich auch auf die Augustastra\u00dfe 2. Dort war damals eine Art Jugendtreff und auch die Freimaurerloge Galilei untergebracht, und Stadtarchivar Heinz Friedel verwies immer wieder stolz auf das alte Modell der Stadt, das heute im Eingangsbereich des Theodor-Zink-Museums steht. Es hatte dort neben ein paar Vitrinen mit &#8211; soweit ich mich erinnern kann &#8211; vorzeitlichen Funden aus Kaiserslautern, eine notd\u00fcrftige Bleibe gefunden und wurde seinerzeit wie auch heute vielen Schulkindern vorgef\u00fchrt. Im Gespr\u00e4ch war auch die alte M\u00e4lzerei Gelbert am jetzigen Stockhausplatz und das Haus Rheinkreis daneben in der Steinstra\u00dfe.<\/p>\n<p>Was mich auf die Idee der Gr\u00fcndung eines F\u00f6rderkreises Theodor-Zink-Museum brachte, wei\u00df ich nicht mehr so genau. Ich war erst Ende 1966 nach Kaiserslautern gekommen und arbeitete als freie Journalistin. 1973 hatte ich zus\u00e4tzlich zu den sonstigen Auftr\u00e4gen auch noch die redaktionelle Gestaltung des Kaiserslauterer Monatsspiegels \u00fcbernommen, eines kostenlosen Anzeigenblattes aus dem Hause der RHEINPFALZ, das bald schon ein Kaiserslauterer Wochenspiegel wurde und heute als Kaiserslauterer Wochenblatt bekannt ist. Ich hatte also viel Gelegenheit, mich unter den Kaiserslauterer B\u00fcrgern umzusehen, sie f\u00fcr die Gr\u00fcndung eines F\u00f6rderkreises Museums zu begeistern. Der Historische Verein, vertreten durch Dr. Werner Seeling und Dr. Hans Steinebrei signalisierte Unterst\u00fctzung. Es gab jedoch viele Skeptiker und auch Gegner. Einer von ihnen war der Direktor der Pfalzgalerie, Wilhelm Weber. Er erkl\u00e4rte \u00f6ffentlich, dass er die Reste des ehemaligen Theodor-Zink-Museums in die Pfalzgalerie eingliedern wollte. Wozu, so fragte er, sollte denn ein eigenes Stadtmuseum gut sein, wenn man doch die Pfalzgalerie und das Gewerbemuseum habe.<\/p>\n<p>Ich verfolgte meine Idee dennoch und ging zum damaligen Leiter der Stadtsparkasse Hellmut Hellmann in der Absicht, ihn als Schatzmeister zu gewinnen. Hellmann lehnte ab. Aber bei Adolf Schauml\u00f6ffel, Direktor der Kreissparkasse, rannte ich offene T\u00fcren ein. Nicht nur, dass er sofort einwilligte, den Posten des Schatzmeisters bei einer Vereinsgr\u00fcndung zu \u00fcbernehmen. Er bot auch f\u00fcr die Gr\u00fcndungsversammlung den brandneuen Sitzungssaal der Kreissparkasse an, dessen Ausschm\u00fcckung mit gro\u00dfen Postern von der Mondlandung mich faszinierte. Die etwa 30 Personen, mit denen man zu diesem Anlass rechnen konnte, w\u00fcrden darin leicht Platz finden.<\/p>\n<p>Zur Gr\u00fcndungsversammlung am Mittwoch, den 17. September 1975, kamen schlie\u00dflich 120 Lauterer B\u00fcrger. Immer mehr quollen zur T\u00fcr herein. Von \u00fcberallher wurden St\u00fchle beschafft, um sie in dem nun viel zu kleinen Raum unterzubringen. Zu verdanken war dieses gro\u00dfe Echo auf den Gr\u00fcndungsaufruf f\u00fcr einen F\u00f6rderkreis nicht zuletzt meinen Kollegen von der Presse und des Rundfunks. Sie gaben mir alle nur m\u00f6gliche Unterst\u00fctzung. <\/p>\n<p>Ich hatte noch nie eine Sitzung geleitet. Aber links von mir sa\u00df Hans-Joachim Huberti, damals Leiter des St\u00e4dtischen Liegenschaftsamtes. Er half mir nach Kr\u00e4ften. Als es bei dem Aufruf f\u00fcr einen Gr\u00fcndungsvorstand an die Reihe des Schatzmeisters kam, fragte ich versehentlich und sehr aufgeregt: &#8222;Ist noch ein Schauml\u00f6ffel da?&#8220; Alles lachte\u2026 Am Ende waren es genug Mitglieder, um einen Verein zu gr\u00fcnden. Ich \u00fcbernahm den Vereinsvorsitz. Zu den Vorstandsmitgliedern geh\u00f6rten Professor Horst R\u00f6mer als 2. Vorsitzender, als Schriftf\u00fchrer der heutige Ministerialdirektor Walter Schumacher, und als Schatzmeister Sparkassendirektor Adolf Schauml\u00f6ffel. Beisitzer wurden Bildhauer Richard Menges, Dr. Werner Seeling und Landgerichtspr\u00e4sident Dr. Edgar Staab.Gr\u00fcndungsmitglieder waren unter anderem der Landtagsabgeordnete Hans-Hermann Dieckvo\u00df, der seinerzeitige Pr\u00e4sident der Universit\u00e4t Kaiserslautern, Professor Helmut Ehrhardt, und auch Stadtr\u00e4tin Rosemarie Geiger. Die erste Mitgliederversammlung fand dann am 4. Dezember 1975 statt.<\/p>\n<p>Aus der Stadt verlautete, dass man mit so viel Zuspruch nicht gerechnet h\u00e4tte. Eilends wurde um Mittel beim St\u00e4dtef\u00f6rderungsprogramm nachgesucht. Als zuk\u00fcnftiger Sitz des Museums, das damals noch ohne Namen war, kristallisierte sich das Haus Rheinkreis in der Steinstra\u00dfe heraus, eine verlotterte Bruchbude mit einer querstehenden Scheune, die abgerissen werden sollte. Es ist der Sturheit der beiden Architekten Ingo Schmitt und Hermann Folz zu verdanken, dass diese Scheune stehen blieb. L\u00e4ngst ist sie zu einem kulturellen und nicht mehr weg zu denkenden Mittelpunkt geworden. Der F\u00f6rderkreis h\u00e4tte es gerne gesehen, wenn auch die M\u00e4lzerei auf dem Stockhausplatz erhalten und zu einem Industriemuseum ausgebaut worden w\u00e4re. Aber dieser Wunsch war zuviel.<\/p>\n<p>In der Folgezeit machte der F\u00f6rderkreis Theodor-Zink-Museum durch Veranstaltungen, Ank\u00e4ufe von Exponaten, Spenden und Bausteine von sich reden. Professor R\u00f6mer hatte ein Poster mit dem alten Haus Rheinkreis gezeichnet, so wie es vor der Restaurierung ausgesehen hatte. Addi Schauer, stadtbekannter Lehrer an der Meisterschule und Aquarellist, lieferte einen Holzschnitt mit der ehemaligen Spittelm\u00fchle. Beides wurde in einer Auflage von je 1000 St\u00fcck gedruckt und dann als Druck verkauft. Richard Menges schlie\u00dflich fertigte ebenfalls als Bausteine etliche Miniatur-Kleiekotzer aus Wachs, wie man sie als Holzoriginale im Museum bestaunen kann. <\/p>\n<p>\u00dcber den F\u00f6rderkreis wurde viel gesprochen. Nicht alles war erfreulich. Aber der Verein hatte sein prim\u00e4res Ziel erreicht: Das Museum wurde gebaut und am 18. Februar 1978, an einem bitterkalten Wintertag, feierte man die Er\u00f6ffnung. Meine Rede begann ich damals mit den Worten: &#8222;Der Sieg hat viele V\u00e4ter\u2026&#8220;<\/p>\n<p>Sei noch erw\u00e4hnt, dass als Besonderheit im Hof des Museums ein Kastanienbaum gepflanzt wurde, ein Baum mitten in der Stadt, der noch heute die Besucher erfreut. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie es zur Gr\u00fcndung des F\u00f6rderkreises Theodor-Zink-Museum kam &#8211; Uta Mayr-Falkenberg erinnert sich Industrieansiedlung und Altstadtsanierung! 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